[1W100 – Random Blog Encounters] 100 Fragen #5: 25-30

Ja, ich gebe zu, ich habe gerade nichts zu tun, was mir wichtiger wäre… Daher hier bereits der nächste Block aus Sorbens Random Blog Encounter: 1W100 Fragen.

26
Was sind deine Vorzüge als Spielleiter/Spieler und was sind deine Defizite?

Uh, fies – Selbstreflektion…

Meine Vorzüge zu bestimmen fällt mir schwer, das widerspricht meiner natürlichen Bescheidenheit. Ich meine aber, daß ich versuche, eher den Gruppenzielen denn den persönlichen Zielen meiner Figur zu folgen, soweit das miteinander vereinbar ist; in einer jüngeren Spielrunde habe ich, etwas entgegen dem ersten Impuls der Figur, einen Plan dahingehend beeinflusst, daß ein Kampf nicht zwingend notwendig war (man wollte ein anlandendes Ruderboot übernehmen, aber da die Besatzung, drei kampfstarke Zwerge, das Boot auch so zurücklassen würden, war es nicht notwendig, sie zu bekämpfen – man musste sich nur verstecken und abwarten, bis sie weg waren) – und so wurden nicht nur die Ressourcen der Gruppe geschont, sondern auch enorm Spielzeit eingespart, da das Spiel sich eh schon recht lang erstreckte und die Spieler langsam allesamt ermüdeten.

Als Spielleiter… Schon schwieriger. Auch hier versuche ich, das Gruppenerlebnis zu lancieren, so daß alle Teilnehmer meiner Runde auf ihre Kosten kommen, aber das ist eine schwere Aufgabe, wenn man nebenbei noch die Geschichte organisieren muss. Ansonsten sehe ich es als Vorzug, daß ich schon versuche, mich nicht zu ernst zu nehmen und auch meinen NSCs eigene Stimmlagen mitzugeben, auch wenn ich die nicht immer und konsequent durchhalten kann – am Ende einer Runde spricht ein NSC sehr wahrscheinlich ganz anders als am Anfang.

Als Defizit würde ich als Spieler definitiv sagen, daß ich mich zu gerne hinter anderen Spielern „ausruhe“, also gerne anderen den Vortritt lasse und mich in den hinteren Rängen „ausruhe“. Das mag meiner jahrelangen Erschöpfung während der Schichtarbeit geschuldet sein, zieht sich aber auch heute immer noch wie ein roter Faden durch meine Figuren. Nur, wenn kein anderer die „Rampensau“ im vollen Scheinwerferlicht ist, schaffe ich es auch mal, mich in den Vordergrund zu spielen und meine Rolle auszuleben.

Spielleiterische Defizite sehe ich vor allem in der Organisation – ich schaffe es kaum, mir eine Geschichte vor dem Spiel so vorzubereiten, daß ich sie im Spiel flüssig drauf habe, zusätzlich zu den vielen NSCs und ihren Motivationen – und den Gegnern und ihren Fähigkeiten. Gerade letzteres sorgt immer wieder für Stress bei mir.
Davon abgesehen ist auch der Ablauf in kritischen Situation wie Kämpfen für mich immer schwierig zu überblicken – mehr als drei Spieler und mindestens ebenso viele Gegner sind für mich bereits fast ein organisatorischer Alptraum, zumal er ja auch unter Zeitdruck ablaufen muss. Wenn ich das System dann nicht eh 111% drauf habe, sorge ich dann für diverse Verzögerungen.

27
Schrödingers Goblin: Wie wichtig ist Immersion für dich?

Da muss ich jetzt einmal den Begriff „Immersion“ nachschlagen, ehe ich mit vermeintlichem Wissen falsche Fakten generiere, denn bisher habe ich den Begriff lediglich aus den zahllosen Diskussionen heraus abgeleitet. Wikipedia sagte im März 2018 dazu:

Immersion (lateinisch immersio „Eintauchen“, „Einbetten“) steht für:
* Immersion (Film), die Auflösung von räumlichen Grenzen in Filmen
* Immersion (virtuelle Realität), das Eintauchen in eine Szene virtueller Realität

Okay, ich war mit meiner Deutung verdammt dicht dran bis korrekt. Das Eintauchen in die beim Rollenspiel geschaffene „Realität“ des Spiels ist wohl also gemeint – wie wichtig ist es für mich, wirklich in die Welt, in die Figur zu kommen?

Wieder nicht ganz einfach. Ich bemühe mich zwar immer, mich in meine Rolle zu versenken, aber manchmal klappt es einfach nicht. Das muss nicht heissen, daß das Spiel nun blöd wird, es ist dann einfach nicht mehr… so tief. Ja, mit vernünftiger Versenkung in die Rolle ist es einfach besser.

Wenn mir das nicht gelingt, so leidet das Spiel irgendwie fast immer. So habe ich massive Probleme, mir die Welt und Technik von Shadowrun vorzustellen, weswegen ich auch im x-ten Versuch keinen Zugang zu diesem Spiel finde. Die Immersion stellt sich einfach nicht ein, ich bleibe ein externer Faktor.

Immersion ist also toll, wenn es funktioniert; wenn es nicht funktioniert, ist noch nicht alles Mist, aber es bleibt ein fader Beigeschmack in  der Runde.

28
Die unerträgliche Leichtigkeit des Systems: Hast du schon einmal ein Regelwerk weggelegt, weil es zu schwer oder zu leicht war?

Zu leicht können Regeln nicht sein, meine ich – je einfacher, desto schneller können sie im Einsatz flüssig angewendet werden. Ich erinnere mich da gerne an RATTEN! von Prometheus Games, das wir in einer Proberunde recht flott drauf hatten.

Zu schwer ist hingegen genauso problemlos möglich, wobei da viele Faktoren Einfluss nehmen. Ich erinnere mich dabei eher ungerne an eine Runde Earthdawn, die ich im Sommer 1995 auf einem Bundeswehrlehrgang in München gespielt habe – ich habe die Regeln weder beim erklärt-bekommen noch beim selber lesen richtig durchblicken können, und habe die Runde auch alsbald wieder verlassen (wobei mich die Welt und auch die Spielweise der Mitspieler nicht so richtig zu packen vermochten). Andererseits habe ich auch vier- oder fünfmal versucht, mit Shadowrun zurecht zu kommen und bin jedes mal (seit V2.01D und zuletzt mit SR5) gescheitert – wobei mir auch hier die Welt, das Setting nichts gegeben hat. Auch Pathfinder empfinde ich nach längerem Spiel als Spielleiter bereits als grenzwertig, aber das kann an der enormen Fülle an zusätzlichen Materialien (Talente, anyone?) und der „juristisch-kleinteiligen“ Herangehensweise des Regelwerks liegen, der Grundmechanismus ist ja eigentlich eher simpel und immer anwendbar. Das simpel aussehende Prozentsystem der letzten Inkarnation des Warhammer 40k-Rollenspiels, die ich gespielt habe, hatte auch die eine oder andere Tücke, wegen derer ich das Spiel nach einer Proberunde nicht mehr weiter verfolgt habe.

Auch aus einem meiner Lieblingssettings, der World of Darkness, gibt es Negativ-Beispiele – die englische Fassung von Kinder des Lotus, Kindred of the East, dem Ergänzungsband zu asiatischen Vampiren, die gänzlich anders funktionieren als die bis dato beschriebenen, habe ich nach längerem Studium wieder in den Schrank gestellt – ich habe nicht verstanden, was das Buch mir sagen wollte. Die vielen asiatischen und/oder pseudoasiatischen philosophischen Versatzstücke in den Texten und Beschreibungen haben sich mit meinen Englischkenntnissen gestritten und es kam nichts verwertbares dabei heraus. Bis heute ist kein Kuei-jin in meinen Spielrunden vertreten gewesen, weder auf Spieler- noch auf Gegnerseite.

Also ja: Ich habe bereits Regelwerke weggelegt, weil mir die Regeln zu schwer waren!

Andererseits kann man die Frage natürlich auch wörtlich beantworten: Nein, bislang hat noch kein Buch soviel Gewicht auf die Waage gebracht, daß ich es nicht trotzdem beachtet hätte. Abends im Bett hingegen sind dickere A4-Hardcover einfach irgendwann zu schwer, um sie noch problemlos halten zu können… 😉 Und viel leichter als PDF kann es nicht mehr werden ^^

29
Wie arbeitest du dich in ein neues Regelwerk ein?

Asymmetrisch.

Regelwerke kann ich nicht von vorne bis hinten einfach durchlesen. Ich blättere drin, schaue mir die Grundmechanismen und die Ableitungen für die üblichen Spezialfälle (Kampf, Magie o. ä.) an und blättere weiter relativ ziellos im Buch. Ich folge Verweisen und suche erklärende Stellen zu Punkten, die sich mir im Fließtext gerade nicht erschließen. Und dann, wenn ich einigermaßen sicher bin, das Konzept verstanden zu haben, geht es an den Spieltisch und die Kenntnisse werden entweder als Spieler oder (etwas häufiger) als Spielleiter auf die Probe gestellt.

Auf diese Weise habe ich Savage Worlds gelernt, und genau so arbeite ich mich gerade in Splittermond ein. Bei Pathfinder habe ich viel von meinen älteren D&D 3.x-Kenntnissen verwursten können, so daß man hier nicht von einem neuen Regelwerk sprechen kann, und D&D 3.x baute immer noch so stark auf den mir bekannten Vorgängern D&D (BECMI) und AD&D auf, daß es mehr eine Anpassung von Bekanntem denn ein neues System war.

Ähnlich habe ich auch versucht, an DSA 5 heranzugehen, aber hier waren die Änderungen meines Erachtens zu asymmetrisch – zu viel, was ich noch von DSA 4 wiedererkannte, und zu viel, was noch genau so aussah wie zuvor, sich aber im Kern zu stark geändert hatte, um noch dasselbe sein zu können, plus Änderungen, deren Sinn sich mir nicht erschloss, während Sachen, deren Sinn bereits zuvor fragwürdig schien, beibehalten wurden. Und nachdem mich auch diese Welt nicht mehr angesprochen hatte, habe ich es irgendwann aufgegeben, mich da richtig einarbeiten zu wollen. DSA ist und bleibt einfach kein System für Einsteiger, finde ich.

30
Essen am Spieltisch?

Das hat sich in der frühen Vergangenheit unserer Spielrunden als Erwachsene eingeschlichen – geselliges Treffen am Abend mit Abendessen. Anfänglich wurde noch gekocht, nachdem sich die Runden aber auf einen Haushalt zu konzentrieren begannen und der Haushalt ob der zusätzlichen Arbeit Protest anmeldete, wurde auf Essen bestellen gewechselt – und so hielten Pizza und Döner ca. Mitte der 90er Einzug an unserem Spieltisch.

Damals wurde noch quasi während des Spiels, mitten in der Handlung gegessen – wenn die Pizza kam, wurde kurz pausiert, aber sowie einer wieder reden konnte, machte er weiter. Inzwischen sind wir soweit, daß wir den Zeitpunkt der Bestellung meisten im Vorfeld planen und dann im Spiel eine Pause einlegen, komplett mit Klönschnack und etwas Beine vertreten/Zigarette nach dem Essen auf dem Balkon etc. Wenn dann alle soweit sind, wird weitergespielt.

Nebenher liegt allerdings in den allermeisten Fällen immer irgendetwas zum naschen oder knabbern, seien es Schokodinger oder auch gerne mal Paprika- und Karottenstücke und ähnliche Rohkost (diese geht meistens sogar besser weg als der ganze Naschkram!).

Also ja – an meinen Spieltischen wird niemand so schnell Hunger leiden müssen!

 

Soweit erst einmal wieder mit den 1W100 Fragen. Es warten auch noch ein bis zwei Con-Berichte auf Fertigstellung…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s